Dunkles Wien
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DUNKLES WIEN. EINE TORT(O)UR     >>

Dunkles Wien. Sie haben genug von dem imperialen, funkelnden Ambiente der Wiener Sonnenseiten? Vom goldglitzernden Jugendstil, vom süßen Kitsch rund um Johann Strauß, Mozart und Sisi? Von rosaroten Süßigkeiten und Walzerseligkeit? Dann sind Sie reif für das Thema Dunkles Wien.

Dunkles Wien kann Sie von der Last des Schönen, Reichen und erdrückend Süßen erlösen. Der Tod und die Schattenwelt sind radikale Gleichmacher. Wohlan, lassen Sie sich auf diese Expedition in das dunkle Wien ein! Hereinspaziert in das Schattenreich der Toten, zu den dunklen Seiten der Geschichte, in die Inszenierungen des Jenseits!

Wien hat reiche Erfahrungen mit dem Tod. Katholizismus im Dienste der Habsburgerherrschaft, Reliquienkult als Untermauerung des Herrschaftsglaubens, brutalste Gegenreformation, barocke Inszenierungen, Pestepidemien und schreierische Vermarktung von Begräbnisfeierlichkeiten liegen dem Naheverhältnis zum Thema Tod zu Grunde.

ROUTE:
Dunkles Wien: Bunker Esterhazypark, Foltermuseum, Narrenturm, Katakomben St.Stephan, Kapuzinergruft, Michaelergruft, Herzgruft Augustinerkirche, Dritter Mann-Kanal, Bestattungsmuseum, Friedhof St. Marx, Zentralfriedhof, Prater Geisterbahn, Friedhof der Namenlosen.

Die Expedition Dunkles Wien beginnt im sechsten Wiener Gemeindebezirk beim

Luftschutzbunker Esterhazypark. Erreichbar von der U3 Station Neubaugasse und dann südöstlich die Schadekgasse hinunter. Unübersehbar der masive Betonbau aus dem 2. Weltkrieg. Er diente dem Luftschutz und auf seinen Plattformen wurden Fliegerabwehrkanonen installiert. Der Bunker ist 10 Stockwerke hoch, das sind 47m Höhe. Die Dicke der Betonmauern beträgt 2,5 m. Die Decke: 3,5 m.
Heute wird der Leitturm vom Haus des Meeres genutzt. Von der Plattform hat man eine gute Aussicht.
Der Turm gehörte zum Gefechtsturm Stiftskaserne. Insgesamt wurden in Wien mehrere solcher Bunker gebaut. 2 davon stehen düster im Augarten, zwei im Ahrenbergpark.

Im Schatten des Bunkers, auf der Nordseite liegt der Eingang zum Foltermuseum. Steigen Sie hinunter in diese Welt der Qualen und des Todes und erleben Sie die schmerzende Geschichte unseres Rechtssystems auf 800 m2 Ausstellungsfläche in den Räumen des historischen Bunkers! Tröstlich nur die Aussicht, dass Sie wieder lebend rauskommen!

Und weiter geht’s zum Narrenturm. Wir gehen wieder zur U3 Neubaugasse zurück und fahren mit dem Autobus 13A in Richtung Skodagasse bis zur Endstation. Dort gehen wir die Alserstraße bergab zur Kreuzung und gegenüber in den Komplex des alten AKH. Im 6. Hof befindet sich der Rundbau, der Narrenturm. Öffnungszeiten: Mi 15 -18 Uhr, Do 8 -11 Uhr, erster Sa im Monat 10-13 Uhr, an Feiertagen geschlossen.

Der Narrenturm im 6. Hof des alten Allgemeinen Krankenhauses wurde 1784 als Bewahrungsanstalt für Geisteskranke errichtet; die kreisförmige Anordnung von Zellen sollte eine Überwachung ermöglichen, die den Patienten dafür wieder mehr Freiheiten ließ. Es ist ein fünfstöckiger, festungsähnlicher Rundbau mit schlitzartigen Fenstern für 200 bis 250 Insassen. Die Wiener nannten den Bau „Kaiser Josefs Gugelhupf“. Er wurde 1784 von Isidore Canevale errichtet, und dient heute als

Pathologisch-anatomisches Museum. Eine Sammlung von Präparaten aus Wachs, die durch Krankheiten verunstaltete Körperteile darstellen, aber auch in Gläsern konservierte menschliche Missbildungen. Wasserköpfe, Janusköpfe, unvorstellbare Formen der menschlichen Existenz. Über einer Tür steht: „Hic locus est, ubi mors gaudet succurere vitae“ (Hier ist der Ort, wo der Tod sich freut, dem Leben zu helfen). Die Sammlung gilt als eine der weltweit bedeutendsten ihrer Art. Es gibt auch eine Sammlung historischer medizinischer Geräte und Infektionskrankheiten.

Sie werden froh sein, nach diesen bedrückenden Impressionen wieder ins Freie zu kommen. Auf der Alserstraße geht es mit den Straßenbahnen 43 oder 44 zum Schottentor, mit der U2 in Richtung Karlsplatz und dann beim Volkstheater mit der U3 zum Stephansplatz. Unser Ziel sind die Habsburger, genauer: ihre Eingeweide.

Im linken Querschiff kommt man zu den Katakomben, die Gruftanlage von St. Stephan

. Im alten Teil der Katakomben befindet sich die Herzogsgruft, in der sich u.a. die Särge des 1365 verstorbenen Herzogs Rudolf IV. sowie die Eingeweideurnen der in der Kapuzinergruft beigesetzten Habsburger befinden. Weiters die Bischofsgruft und die Domherrengruft als letzte Ruhestätte der Wiener Weihbischöfe.
Der neuere Teil der Katakomben wurde Anfang des 18. Jahrhunderts nach der Schließung des darüberliegenden Friedhofes angelegt. Dieser besteht aus weitverzweigten Gängen, die nur zum Teil zugänglich sind. Bis 1783 wurden hier mehr als 10000 Menschen begraben. Eine der Grabkammern ist angeblich eine Pestgrube aus dem frühen 18. Jh.

Jetzt aber auf zu den Knochen der Habsburger! Wir gehen zu Fuß 300m über die Kärntnerstraße und dann rechts zum Neuen Markt zur Kaisergruft oder Kapuzinergruft.

Die Kapuzinergruft ist die Begräbnisstätte der Habsburger und Habsburg-Lothringer in Wien. Sie wird auch Kaisergruft genannt. Der Eingang zur Gruft befindet sich vor dem Donnerbrunnen am Neuen Markt, die Gruft selbst liegt unter der Kapuzinerkirche und wird vom Orden der Kapuzinern betreut.

1618 verfügte Kaiserin Anna in ihrem Testament die Gründung der Gruft. Ihre Gebeine wurden erst 1633 in die Gruft überführt, gleichzeitig mit den sterblichen Überresten ihres Gemahls Kaiser Matthias.
Die jüngste Bestattung war die von Otto Habsburg-Lothringen, dem Sohn von Karl I. und seiner bereits zuvor verstorbenen Frau am 16. Juli 2011.
Die Gruft musste wegen großer Nachfrage mehrmals erweitert werden. Inzwischen beherbergt die Kaisergruft die Gebeine von 12 Kaisern, 19 Kaiserinnen und vielen weiteren Mitgliedern der Familie Habsburg bzw. Habsburg-Lothringen, insgesamt von 138 Personen. Zur Begräbniszeremonie der Habsburger gehörte es, Körper, Eingeweide und Herz getrennt zu bestatten. Das Herz wird in einem Silberbecher in der Herzgruft in der Augustinerkirche und die Eingeweide werden in den Katakomben des Stephansdoms bestattet.
Der Doppelsarkophag Maria Theresias und ihres Gemahles Franz Stephan ist üppigst verziert und weist damit auf die Barockzeit hin. Nüchterner hingegen der Sarg ihres Sohnes und Nachfolgers Joseph II. Sein Sarg verweist bereits auf die Aufklärung. Dominant der Sarkophag von Kaiser Franz Josef I. und seiner Frau Sisi, Kaiserin Elisabeth. Danben auch der Sarg des Tronfolgers Rudolf.

Wer noch Lust auf weitere Gruftanlagen hat, dem kann geholfen werden. Nur wenige 100 m sind es zur Michaeler Gruft unter der Michaelerkirche am Michaelerplatz. Die Gruft ist nur mit Führung zugänglich. Führungen: Montag bis Samstag, jeweils um 11 und um 15 Uhr.

Michaelergruft. Die Michaelerkirche aus dem 13. Jh. war eine begehrte Begräbnisstätte vor allem für den Hofadel, der auch im Tod die Nähe der Kaiserfamilie suchte. Neben der Herrengruft gibt es auch die Pfarrgruft, in der auch niedere Stände beigesetzt wurden. Seit 1783 durften auf Verordnung von Josef II. keine Beisetzungen mehr stattfinden. Es dominieren einfache Holzsärge, einige der Leichen wurden durch die besonderen klimatischen Bedingungen in den Räumen quasi mumifiziert und blicken den Besucher an. Rundum im Hallbogen sehen Sie Knochen aus verfallenen Särgen. An keinem anderen Ort in Wien können Sie die Vergänglichkeit unserer menschlichen Existenz intensiver und näher erleben!

Herzgruft in der Augustinerkirche

Von der Michaelerkirche sind es nur wenige Schritte zum Josefsplatz und zur Augustinerkirche. Hier ruhen 54 habsburgische Herzen in silbernen Bechern. Doch alles der Reihe nach:
Die Augustinerkirche ist eine der ältesten Kirchen in Wien und sehr stark mit der Familie der Habsburger verbunden. Hier heirateten Sisi und Kaiser Franz Joseph I., aber auch Maria Theresia und Franz von Lothringen.

Die Augustinerkirche ist Teil der Hofburg und direkt am Josefsplatz mit dem Reiterstandbild Josefs II. und der Nationalbibliothek. Südlich davon liegt die Albertina. Von hier aus ist es nicht weit zur Staatsoper, zur Kärntnerstraße oder zum Kohlmarkt.

1327 wurde dem Augustinerorden eine Kirche mit Kloster gestiftet. Stifter war der Habsburger Herzog Friedrich der Schöne.
Die gotische Kirche wurde anschließend in den Gebäudekomplex der Hofburg des Albertinatraktes eingegliedert. Ab 1634 wurde die Augustinerkirche zur kaiserlichen Hofpfarrkirche. Hier wurden fortan die Habsburger getraut. Herausragende Hochzeiten waren die Maria Theresias mit Franz von Lothringen und die von der Wittelsbacherin Prinzessin Elisabeth, genannt Sisi mit Kaiser Franz Joseph I. im Jahre 1854.

Der Innenraum ist dreischiffig. An das Hauptschiff angeschlossen befindet sich ein Hochchor mit einer Länge von 40 m und einer Höhe von 24 m. Besonderen Stellenwert hat die Loretokapelle. Die Kapelle geht auf eine Initiative von Eleonora von Mantua, die Gemahlin Kaiser Ferdinand II. zurück. Die Loretokapelle ist eine Nachbildung der Casa Santa in Loreto in Italien und wurde 1627 eingeweiht. Es war die Privatkapelle des Kaiserhauses. Auch vor einer Trauung zog man sich in die Kapelle zurück. Das Besondere an der Loretokapelle ist die Herzgruft der Habsburger. Hier werden die Herzen von 54 Habsburgern in Urnen aufbewahrt: Liste der bestatteten Herzen siehe Detailseite Augustinerkirche.

Seitlich im rechten Kirchenschiff befindet sich das klassizistische Grabmal von Erzherzogin Maria Christina (1742 – 1798). Sie war die Lieblingstochter von Kaiserin Maria Theresia. Ihr Mann, Herzog Albert von Sachsen-Teschen, beauftragte den Bildhauer Antonio Canova (1757 – 1822) mit einer Grabstätte. Canova schuf aus weissem Carraramarmor eine Grabpyramide, durch deren offene Tür ein Trauerzug schreitet. Das wunderschöne Denkmal hat aber eine leere Grabkammer. Der Leichnam von „Maria Christina Austriaca“ wurde in der Kapuzinergruft beigesetzt, das Herz befindet sich allerdings in der Loretokapelle.

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So, genug Habsburgerblut für heute. Jetzt geht’s zum Dritten Mann. Besser gesagt, zum Wiener Kanalsystem, in dem Carol Reed die Fluchtszenen des Schiebers Harry Lime für den Film

„Der Dritte Mann“ drehte. Auch ein Thema für Dunkles Wien. Der Eingang in die Unterwelt liegt im Esperantopark gegenüber dem Café Museum oder Friedrichstraße 6 beim Karlsplatz, in der Nähe der Secession. Karten sind wegen des Andrangs unbedingt zu reservieren Montag bis Freitag 07:30 – 16:30 Uhr Tel. *43-1-4000-30-33 oder auf der Website drittemanntour.at

Nach der Besichtigung der Wiener Abwässer werden Sie die frische Luft genießen! Deshalb gehen wir zu Fuß ins Bestattungsmuseum in der Goldeggasse 19. Auf dem Weg dorthin überqueren wir den Karlsplatz. Wer Interesse an der Pest hat, besichtige die

Karlskirche. Sie ist dem oberitalienischen Pestheiligen Carl Borromäus geweiht, der als Bischof von Mailand während der Pestepidemie die Organisation der Infrastruktur der Stadt übernahm, weil die Stadttregierung aus Sorge um ihre Gesundheit geflohen war. Zuvor hatte Carl Borromäus allerdings als Gegenreformator im Engadin Hexenverbrennungen zugelassen. Kaiser Karl VI. ließ ihm zu Ehren und als Danki für die überstandene Pest in Wien diese Barockkirche bauen. Carl Borromeo ist auf dem Deckengemälde der Kuppel verewigt.

Was liegt näher, als jetzt einen echten Friedhof zu besuchen. Die Linie 71 ist „die“ Friedhofslinie, führt sie doch zum Zentralfriedhof. Auf dem Weg dorthin können Interessierte bei der Litfaßsäule einen Zwischenstopp einlegen, Ihr Ziel ist der

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Biedermeierfriedhof St. Marx

Der Friedhof wird nicht mehr frisch belegt. Flieder- und Hollerbüsche überwuchern die alten Grabsteine.

Sankt Marx kommt von Markus. Der Friedhof unter einem Zubringer der Autobahn Südosttangente ist eine Oase der Zeitläufte. Zur Blütezeit des Flieders ist ein Gang durch die verwilderten Gräberreihen besonders sinnlich und erbaulich. Wie schön es ist in Dunkles Wien!

Der Friedhof St.Marx wurde im Zuge der josefinischen Reformen angelegt und ist als einziger aus dieser Zeit erhalten. Er wurde von 1784 bis 1874 belegt. Seine Erhaltung verdankt er der Initiative des Heimatforschers Hans Pemmer, der sich gegen seine Umwandlung in eine Parkanlage wandte. Die Gräber sind teilweise verfallen, doch es gibt noch viele Grabsteine, die ein beredtes Zeugnis der damaligen ständischen Gesellschaft ablegen. Stand und Berufsbezeichnung der hier gerabenen Bürger des Biedermeier sind abzulesen. Ein Baum hat seine riesige Wurzel unter eine Grabplatte wachsen lassen, auf der Suche nach Nährstoffen… Der Friedhof lädt zu meditativem Spaziergang ein, es gibt keinen anderen Friedhof in Wien, an dem die Vergänglichkeit so tröstlich wirkt.

Der berühmteste Tote hier ist Wolfgang Amadeus Mozart. Da er gemäß den für das ärmere Bürgertum geltenden Bestimmungen in einem anonymen Schachtgrab beigesetzt wurde, war die genaue Stelle später unauffindbar. 1859 wurde ein Denkmal am wahrscheinlichen Ort des Grabes errichtet. Dieses wurde später auf den Zentralfriedhof überstellt. Ein aus verschiedenen Teilen ausgedienten Grabschmuckes erstelltes neues Denkmal weist auf den Ort hin.
Die Fahrt mit der Linie 71 endet beim Haupttor des Zentralfriedhofs.

Dunkles Wien – Der Wiener Zentralfriedhof wurde 1874 eröffnet und ist mit einer Fläche von fast 2,5 km² die zweitgrößte Friedhofsanlage Europas.

Bei der Planung der Größe des Friedhofsgeländes wurde angesichts des starken städtischen Wachstums und der damaligen Ausdehnung des Kaisertums Österreich davon ausgegangen, dass sich Wien bis Ende des 20. Jahrhunderts zu einer Metropole mit rund 4 Millionen Einwohnern entwickeln würde. Auf der Suche nach einem geeigneten Areal kamen Grundstücke in Kaiserebersdorf und Rannersdorf in die engere Auswahl, da diese beiden Gebiete über eine für einen Friedhof ideale Bodenbeschaffenheit und ebene Lage verfügen. Der luftdurchlässige Lössboden beschleunigt den Verwesungsprozess von Leichen im Vergleich zu anderen Bodenarten , womit zudem die Gefahr der Ausbreitung und Verschleppung epidemischer Krankheiten aus dem Friedhof geringer sei. Weiters wurde auf den Umstand hingewiesen, dass Lössboden bequem zu bearbeiten ist und somit der Aushub von Gräbern schneller durchführbar sei und überdies eine geringere Einsturzgefahr der Grabwände bestünde.

Die Entscheidung fiel letztlich zugunsten Kaiserebersdorfs. 1870 wurde eine Ausschreibung über die Gestaltung des Friedhofs durchgeführt, bei der die Entwürfe des Frankfurter Architektenteams Karl Jonas Mylius und Alfred Friedrich Bluntschli die Jury überzeugten, und nach nur drei Jahren Bauzeit (1871 bis 1874) war Wiens neue Totenstadt errichtet.

Auf dem Zentralfriedhof finden sich zahlreiche Ehrengräber: Mozart, Schubert, Johann Strauß e.a., Josef Lanner, Hugo Wolf, Joe Zawinul, Falco, Bruno Kreisky, Friedrich Hacker, Karl Farkas, Helmut Zilk, Fritz Muliar, Josef Hoffmann, Van der Nüll, Zumbusch u.a.

Der Zentralfriedhof in seiner heutigen Form besteht einerseits aus dem interkonfessionellen „Hauptfriedhof“, der jedem Verstorbenen, ungeachtet der Glaubensrichtung, als letzte Ruhestätte zur Verfügung steht, andererseits aus den verschiedenen konfessionellen Friedhöfen und Abteilungen für Katholiken, Evangelische, Muslime, Juden, Orthodoxe und Buddhisten.

Eine extrem rührende Besonderheit hat der Zentralfriedhof: Es gibt einen sogenannten Babyfriedhof. Da die Bestattungspflicht nur für Lebendgeburten gilt, hat die Stadt Wien einen gebührenfreien Babyfriedhof für Totgeburten zur Verfügung gestellt. Erdgräber gibt es für Babys ab 500 Gramm Körpergewicht. Kleinere Babys werden feuerbestattet (Sammelurne).

Dunkles Wien, kunsthistorisch: Zentrum des Geländes ist die vom Otto Wagner Schüler Max Hegele entworfene Friedhofskirche zum heiligen Karl Borromäus, auf die man direkt vom Haupttor aus zusteuert. Von 1908 bis 1910 errichtet, zählt sie heute zu den bedeutendsten Jugendstil-Kirchenbauten und wird oft mit der Otto Wagner Kirche am Steinhof verglichen. Unter dem Hauptaltar befindet sich die Gruft des 1910 verstorbenen Wiener Bürgermeisters Karl Lueger, welcher 1908 den Grundstein für die Kirche gelegt hatte, weshalb die Kirche auch unter dem Namen Dr.-Karl-Lueger-Gedächtniskirche bekannt ist.

Das Bestattungsmuseum Wien zeigt mit mehr als 1000 Objekten einen weltweit einzigartigen Überblick über Rituale des Totenkult v.a. in Wien. Sterben und Tod und der Umgang mit ihnen sind Teil der Wiener Kultur und werden in all ihren Ausprägungen dargestellt. Der Wiener Totenkult gilt vor dem Hintergrund der Barockzeit und des Vorherrschens der katholischen Religion als etwas Besonderes. Eines der beliebten Ausstellungsobjekte ist der Klappsarg, durch den der Leichnam in die Grube plumpst. Eine nachhaltige und ressourcenschonende Methode aus der Zeit der Aufklärung unter Josef II. Öffnungszeiten: Mo-FR 9-16:30. Adresse: Wiener Zentralfriedhof Tor 2, Simmeringer Hauptstr. 234, bestattungsmuseum.at

Gegenüber dem Friedhof finden sich Steinmetze wie z.B. „Grabsteinland“, aber auch viele Wirtshäuser. In ihnen kann man den sogenannten Leichenschmaus abhalten. Nach einem Begräbnis, das einem ans Herz geht, bekommt man ja schließlich Appetit. Was ist beruhigender, als dieses Begehren als Zeichen von Lebenskraft zu interpretieren und ihm nachzugeben? Beim Essen und Reden findet man wieder zur nötigen Heiterkeit, um das Leben ertragen zu können.

Wir sind froh, keinen existenziellen Grund für den Friedhofsbesuch gehabt zu haben und gehen dennoch ins Wirtshaus. Oder fahren mit dem „71er“ gleich zurück bis zur U3 Station Enkplatz, dann zum Stephansplatz und mit der U1 zum Praterstern. Hier entlasse ich Sie in den

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Wurstelprater mit der Empfehlung Dunkles Wien für einen Besuch der Geisterbahn oder anderer Höllenfahrten. Auch die Helden im „Der Dritte Mann“ hatten ihren Showdown auf dem Riesenrad. Wessen Seele schon genug massiert wurde, dem empfiehlt sich der Besuch des Schweizerhauses, dem größten Biergarten Wiens mit Bier aus Budweis. Mehr ist dazu nicht zu sagen. Zum Wohl!
Das war’s also. Das war’s? Alles im Leben muss ein Ende haben. Aber das Thema Tod muss eigentlich ein unendliches Ende haben. Für Menschen, die Wien besonders intensiv spüren wollen und sich nicht mit bekannten Klischees abspeisen lassen, die fahren nicht in den Prater sondern von der U3 Station Enkplatz mit der Autobuslinie 76A zum Friedhof der Namenlosen beim Alberner Hafen. Ein Höhepunkt der Tour Dunkles Wien.

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Alberner Hafen. Dort erwarten sie auf der Tour Dunkles Wien geisterhafte Getreidespeicher, vormals grau. Gebaut von Zwangsarbeitern während der Nazizeit. Hier wurde das Getreide aus Rumänien, der Kornkammer der Nazis, gelöscht und per Bahn weitertransportiert. Ein Ort des Grauens, besonders im Winter bei Nebel. Es geht weiter auf der Route Dunkles Wien.

Wir gehen zu Fuß durch den Hafen zum Friedhof der Namenlosen.

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Wo das Auwald- und Wiesengebiet an den Hafen grenzt – „Sauhaufen“ wird dieses Gebiet genannt – liegt der Friedhof der Namenlosen. Es ist die Endstation der Tour Dunkles Wien.
1854 fand dort die erste Beisetzung einer unbekannten Wasserleiche statt. Ein Wasserwirbel trieb bei Stromkilometer 1918 immer wieder die Körper von Ertrunkenen an Land. So entstand der erste Friedhof, der immer wieder überschwemmt wurde und heute von Bäumen überwachsen ist. 478 Opfer der Donau ruhen dort auf der Uferseite des Damms.
1900 wurde ein zweiter Friedhof angelegt, der sich nun hinter dem Schutzdamm befindet. 104 Wasserleichen sind hier beerdigt, von 61 weiß man keinen Namen. Ermordete, Unfallopfer, Selbstmörder. Namenlos aus den Fluten gezogen.
Seit 1939 die großen Getreidesilos gebaut wurden, erhielt die Strömung eine andere Richtung. Seitdem wurde dort keine Leiche mehr angespült.

Die Kruzifixe mit den silbernen Christuskörpern schimmern im Schatten der Bäume, in der Friedhofskapelle brennt eine Kerze. Hafengeräusche drängen durchs Dickicht, wie Anker der Gegenwart. Fünfzig Meter weiter endet die Straße. Unter Bäumen ein Wirtshaus „Zum Friedhof der Namenlosen“. Ein sandiger Platz am Ufer. Träge und grau fließt die Donau. Raum wird Zeit. Alles sagt: Ich bin. (Bernhard Morawetz, Dunkles Wien)

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